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AuĂenbeitrag
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Der AuĂenbeitrag (englisch trade balance) erfasst als volkswirtschaftliche Kennzahl die Werte sĂ€mtlicher Exporte und Importe von materiellen und immateriellen GĂŒtern und Dienstleistungen eines Staates innerhalb einer Rechnungsperiode.
Contents
âą Allgemeines
âą Ermittlung
âą Statistik
âą Einzelnachweise
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Allgemeines
Im Sinne der makroökonomischen ex-ante-Analyse ist der AuĂenbeitrag die Nettonachfrage des Auslands, also die Differenz zwischen der Auslandsnachfrage und den Importen.cite-ref-1[1] AuĂenbeitrag ist der Saldo zwischen Export und Import von GĂŒtern und Dienstleistungen, ein positiver AuĂenbeitrag heiĂt ExportĂŒberschuss, ein negativer ImportĂŒberschuss.cite-ref-2[2]
Die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGR) beinhaltet den AuĂenbeitrag als Ăberschuss der Einnahmen aus Exporten ĂŒber die Ausgaben aus Importencite-ref-3[3] oder umgekehrt. Diese Definition entspricht der von Eurostat fĂŒr alle EU-Mitgliedstaaten.cite-ref-4[4] Sind die Exportwerte höher als die Importwerte, ergibt sich ein positiver Saldo, der Nettoexport genannt wird; umgekehrt liegt ein Nettoimport vor.
Zum AuĂenbeitrag gehört neben der Handelsbilanz auch die Dienstleistungsbilanz.cite-ref-5[5] Letztere beinhaltet den Reiseverkehr, Transportwesen, sowie Patent- und LizenzgebĂŒhren.
Ermittlung
Der AuĂenbeitrag setzt sich aus den Salden der Handels- und Dienstleistungsbilanz zusammen.cite-ref-6[6] Im Gegensatz zum Saldo der Leistungsbilanz erfasst der AuĂenbeitrag nicht die laufenden Ăbertragungen (Transferzahlungen, beispielsweise Zahlungen an den EU-Haushalt; frĂŒher in der Ăbertragungsbilanz erfasst).
Das Bruttoinlandsprodukt BIP {\displaystyle {\text{BIP}}} und die Importe Im {\displaystyle {\text{Im}}} stehen den inlĂ€ndischen Wirtschaftssubjekten fĂŒr Konsum C {\displaystyle {\text{C}}} , Investitionen I {\displaystyle {\text{I}}} und Exporte Ex {\displaystyle {\text{Ex}}} zur VerfĂŒgung:cite-ref-7[7]
BIP + Im = C + I + Ex {\displaystyle {\text{BIP}}+{\text{Im}}={\text{C}}+{\text{I}}+{\text{Ex}}} .
Durch Umformung ergibt sich als Zwischenresultat:
BIP = C + I + (Ex â Im) {\displaystyle {\text{BIP}}={\text{C}}+{\text{I}}+{\text{(Ex â Im)}}} .
Durch Isolation ergibt sich der AuĂenbeitrag als
AuĂenbeitrag = Ex â â Im {\displaystyle {\text{AuĂenbeitrag}}={\text{Ex}}-{\text{Im}}} .
Ist der Wert der Exporte höher als der Importe, so liegt ein Nettoexport vor:
Nettoexport = Ex > Im {\displaystyle {\text{Nettoexport}}={\text{Ex}}>{\text{Im}}} .
Bei einem Nettoimport ĂŒberwiegen die Importe:
Nettoimport = Ex < Im {\displaystyle {\text{Nettoimport}}={\text{Ex}}<{\text{Im}}} .
Gleichen sich die Importe und Exporte wertmĂ€Ăig ausnahmsweise aus, ist der AuĂenbeitrag ânullâ.
Die AuĂenbeitragsquote ist der Anteil des AuĂenbeitrags am BIP:cite-ref-8[8]
AuĂenbeitragsquote = Ex â â Im BIP {\displaystyle {\text{AuĂenbeitragsquote}}={\frac {{\text{Ex}}-{\text{Im}}}{\text{BIP}}}} .
Sie zeigt, welcher Anteil des Bruttoinlandsproduktes nicht fĂŒr Konsum oder Investitionen verwendet und somit gespart wird. Eine negative AuĂenbeitragsquote zeigt, wie hoch die aus Ersparnis finanzierten Konsumausgaben und Investitionen in Relation zum Bruttoinlandsprodukt sind.
Wirtschaftliche Aspekte
Von erheblicher Bedeutung in der AuĂenwirtschaft ist die Frage, in welchem Umfang ein Staat anderen LĂ€ndern seine Leistungen netto bereitstellt oder netto fĂŒr die eigene Verwendung aus dem Ausland erhĂ€lt; diese Frage wird durch den AuĂenbeitrag beantwortet.cite-ref-9[9] Bei einem AuĂenbeitrag von ânullâ entspricht das BIP der inlĂ€ndischen Verwendung, bei einem Nettoexport absorbiert das Ausland einen Teil des inlĂ€ndischen BIP, bei einem Nettoimport beansprucht das Inland Leistungen aus dem Ausland.cite-ref-10[10] Der AuĂenbeitrag wird daher hĂ€ufig als MaĂstab fĂŒr auĂenwirtschaftliches Gleichgewicht benutzt.cite-ref-11[11]
Ein AuĂenbeitrag von ânullâ ist eher ein Zufall, so dass es meist Exportnationen (Nettoexport; âExportweltmeisterâ) oder importlastige Staaten (Nettoimport) gibt. Im Jahre 2015 wiesen weltweit 123 Staaten ein Handelsbilanzdefizit, aber lediglich 62 Staaten einen HandelsbilanzĂŒberschuss aus.cite-ref-12[12] Beiden fehlt es am auĂenwirtschaftlichen Gleichgewicht, denn auch der HandelsbilanzĂŒberschuss ist ein Ungleichgewicht. Gleichgewicht bedeutet, dass der Saldo der Ausgaben aus Importen und der Einnahmen aus Exporten mittelfristig ânullâ ist. Auch ein AuĂenbeitrag von ânullâ bedeutet noch kein auĂenwirtschaftliches Gleichgewicht, denn die ĂŒbrigen Teilbilanzen können ĂberschĂŒsse oder Defizite ausweisen.
Einem positiven (negativen) AuĂenbeitrag steht in der Regelcite-ref-13[13] ein Netto-Kapitalexport (-Kapitalimport) gegenĂŒber, weil der Nettoexport an Waren und Dienstleistungen vom Ausland nicht in Form einer Gegenlieferung von Waren und Dienstleistungen bezahlt wird. Wenn die USA beispielsweise mehr aus Deutschland importieren als sie selbst nach Deutschland exportieren, macht dies (wenn der Ausgleich der Zahlungsbilanz nicht ĂŒber eine andere Teilbilanz erfolgt) einen Kapitalexport Deutschlands in die USA erforderlich, sei es, dass den USA aus Deutschland ein Kredit gewĂ€hrt wird, sei es, dass deutsche Wirtschaftssubjekte in den USA einen Unternehmenskauf tĂ€tigen, so dass die USA mit diesen Einnahmen ihren ImportĂŒberschuss gegenĂŒber Deutschland bezahlen können, oder Ă€hnliche Formen von Kapitalexport. Ein anhaltender ExportĂŒberschuss fĂŒhrt also zu einem Anstieg des finanziellen Nettoauslandsvermögens, d. h. entweder zur Erhöhung einer NettoglĂ€ubigerposition oder zur Reduktion einer Nettoschuldnerposition, wenn auch nicht notwendigerweise im VerhĂ€ltnis zum BIP.
Ein Nettoexport fĂŒhrt zu steigenden WĂ€hrungsreserven. Sie entstehen durch LeistungsbilanzĂŒberschĂŒsse eines Staates oder Wirtschaftsraumes.cite-ref-14[14] Nettoexporte können zum Abbau der FremdwĂ€hrungsschulden beitragen. Umgekehrt fĂŒhren Nettoimporte zum Abbau von WĂ€hrungsreserven, weil sie mit Devisen bezahlt werden mĂŒssen, was die Devisenbilanz belastet und zur Erhöhung der Staatsschulden beitragen kann. Zunehmende auĂenwirtschaftliche Ungleichgewichte werden als mögliche Ursache der Finanzkrise ab 2007 kritisch erörtert.cite-ref-15[15]cite-ref-16[16]
Statistik
Der AuĂenbeitrag in Deutschland entwickelte sich zwischen 2009 und 2022 wie folgt (VGR; in Mrd. Euro):cite-ref-17[17]
| Jahr | AuĂenbeitrag |
|---|---|
| 2009 | + 122,6 |
| 2010 | + 134,9 |
| 2011 | + 132,2 |
| 2012 | + 167,5 |
| 2013 | + 161,9 |
| 2014 | + 193,8 |
| 2015 | + 229,8 |
| 2016 | + 231,2 |
| 2017 | + 231,6 |
| 2018 | + 205,2 |
| 2019 | + 196,3 |
| 2020 | + 191,7 |
| 2021 | + 191,6 |
| 2022 | + 79,5 |
Das im Jahre 2019 geÀnderte Konzept der VGR erfasst lediglich diejenigen Wirtschaftssubjekte, die ihren GeschÀftssitz oder Wohnsitz im Inland haben (Inlandskonzept).
Die LĂ€nder mit dem höchsten Nettoexport (nur HandelsbilanzĂŒberschuss) waren 2019:cite-ref-18[18]
| Staat | ExportĂŒberschuss 2019 in Mrd. US-$ |
|---|---|
| China Volksrepublik Volksrepublik China | + 421,90 |
| Deutschland Deutschland | + 254,94 |
| Russland Russland | + 164,24 |
| Saudi-Arabien Saudi-Arabien | + 126,70 |
| Niederlande Niederlande | + 73,26 |
| Irland Irland | + 71,30 |
| Italien Italien | + 59,15 |
| Australien Australien | + 50,02 |
| Taiwan Taiwan | + 43,46 |
| Katar Katar | + 41,29 |
Die Volksrepublik China fĂŒhrt seit 2009 die Liste der Exportweltmeister an, gefolgt von Deutschland und Russland.
In der Abbildung sind fĂŒr die drei gröĂten Volkswirtschaften der Welt (die Triade) die Exporte im VerhĂ€ltnis zum jeweiligen BIP dargestellt, auĂerdem der Nettoexport im VerhĂ€ltnis zum BIP. WĂ€hrend Deutschland (bis 2008 Exportweltmeister) und Japan einen ExportĂŒberschuss verzeichnen, sind fĂŒr die USA die Importe gröĂer als die Exporte.
Im Warenhandel erzielte Deutschland 2006 laut Deutscher Bundesbank einen Nettoexport gegenĂŒber dem Vereinigten Königreich von 23,7 Mrd. Euro (2004: 24,5 Mrd. Euro), gegenĂŒber den USA von 27,9 Mrd. Euro (2004: 23,5 Mrd. Euro) und gegenĂŒber Frankreich einen von 22,3 Mrd. Euro (2004: 23,0 Mrd. Euro). Dagegen verzeichnet Deutschland gegenĂŒber China ohne Hongkong einen Nettoimport von 20,4 Mrd. Euro (2004: 10,5 Mrd. Euro) und gegenĂŒber Japan von 10,5 Mrd. Euro (2004: 7,0 Mrd. Euro).
Bei den Einnahmen aus an das Ausland geleisteten Dienstleistungen und den Ausgaben fĂŒr Dienstleistungen des Auslands erzielte Deutschland 2006 ein Minus in Höhe 38,2 (2004 33,0 Mrd. Euro), so dass der Ăberschuss bei der AuĂenhandelsbilanz, die den Handel mit Waren und Dienstleistungen umfasst, geringer ist als bei der Warenhandelsbilanz. Per Saldo das gröĂte Minus erzielte bei den Dienstleistungen Deutschland gegenĂŒber den klassischen UrlaubslĂ€ndern Ăsterreich (â6,2 Mrd. Euro), Spanien (â6,1 Mrd. Euro) und Frankreich (â3,9 Mrd. Euro). ĂberschĂŒsse erzielte bei den Dienstleistungen Deutschland beispielsweise gegenĂŒber DĂ€nemark (+0,3 Mrd. Euro), Japan (+0,6 Mrd. Euro) und China ohne Hongkong (+0,1 Mrd. Euro).
Literatur/Weblinks
âą Literatur ĂŒber AuĂenbeitrag im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
âą Deutsche Bundesbank Zahlungsbilanzstatistik 2007 Statistisches Beiheft zum Monatsbericht 3 Ausfuhren und Einfuhren nach Waren und Dienstleistungen nach LĂ€ndern und Gebieten (bis 2006) (PDF-Datei; 636 kB)
âą Siehe Schaubild 3 im Gutachten des Siehe Schaubild 3 im Gutachten des SVR 2008/09 zu den LĂ€ndern mit den gröĂten LeistungsbilanzĂŒberschĂŒssen und -defiziten. (PDF-Datei; 1,35 MB)
Einzelnachweise
cite-note-11. â Verlag Dr. Th. Gabler (Hrsg.), Gablers Wirtschafts-Lexikon, Band 1, 1984, Sp. 403
cite-note-22. â Adam Reining, Lexikon der AuĂenwirtschaft, 2003, S. 34
cite-note-33. â Verlag Dr. Th. Gabler (Hrsg.), Gablers Wirtschafts-Lexikon, Band 1, 1984, Sp. 403
cite-note-44. â Eurostat, AuĂenbeitrag jeweilige Preise, EuropĂ€isches System volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen, 2010, 8.68
cite-note-55. â Heinz-Josef Bontrup, Lohn und Gewinn: Volks- und betriebswirtschaftliche GrundzĂŒge, 2008, S. 298 FN 669
cite-note-66. â Springer Fachmedien Wiesbaden (Hrsg.), Kompakt-Lexikon Internationale Wirtschaft, 2013, S. 42
cite-note-77. â Institut fĂŒr Weltwirtschaft/Stefan Kooths, Mythos âAuĂenbeitragâ, September 2017
cite-note-88. â Statistisches Bundesamt, AuĂenwirtschaft, AuĂenbeitragsquote
cite-note-99. â Claus Köhler/Gerhard Merk, Geldwirtschaft, Band 2: Zahlungsbilanz und Wechselkurs, 1979, S. 21
cite-note-1010. â Claus Köhler/Gerhard Merk, Geldwirtschaft, Band 2: Zahlungsbilanz und Wechselkurs, 1979, S. 21
cite-note-1111. â Claus Köhler/Gerhard Merk, Geldwirtschaft, Band 2: Zahlungsbilanz und Wechselkurs, 1979, S. 22
cite-note-1212. â International Monetary Fund, World Economic Outlook, October 2015, S. 25 ff.
cite-note-1313. â neben dem AuĂenbeitrag und der Kapitalbilanz hat die Zahlungsbilanz aber auch noch andere Teilbilanzen
cite-note-1414. â Olivier Blanchard/Gerhard Illing, Makroökonomie, 4. Auflage, MĂŒnchen, 2006, S. 527 ff.
cite-note-1515. â Wolfgang MĂŒnchau, Kernschmelze im Finanzsystem, Carl Hanser Verlag, 2008, S. 155 ff.
cite-note-1616. â Benedikt Fehr, Bretton Woods II ist tot. Es lebe Bretton Woods III, in: FAZ vom 12. Mai 2009, S. 32. FAZ.Net, Bretton Woods II ist tot. Es lebe Bretton Woods III